Ein neues Buch: Vitus Heller

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    15.März : 3 Stimmen für Helmut Försch Liuste 10 Die Linke Platz 8

                    

                                       Thüringen-Wahl

        2020 - Thüringen – erster Probelauf zur Macht.

                                                Helmut Försch resümmiert

 

 

 

In Thüringen hat sich ein machtgeiler Noname mit Hilfe von CDU und AfD zur Ministerpräsiden­ten küren lassen. Er wurde unter massivem Druck zu Rücktritt gezwungen, denn es hat sich gezeigt, dass die Zeit noch nicht reif ist. Wer unsere Geschichte kennt, weiß, dass nur wenige daraus zu ler­nen bereit sind. Und wer die neben und hinter den Aktionen zu hörenden Verlautbarungen richtig deutet, der muss nicht nur besorgt sein – das ist viel zu wenig; er muss mit allen vertretbaren Mit­teln und Aktionen gemeinsam  der rechten Gefahr entgegnen.
Das lehrt uns die Geschichte: Nach dem ersten Weltkrieg fand eine unblutige Revolution statt, die getragen war von den linken Parteien und Gruppierungen. Gesetze und Verordnungen aus dieser Zeit brachten für die kleinen Leute auf Dauer viel Gutes. Erst nach Eisners Ermordung änderte sich das.  Die Republik von Weimar stand dann von Anfang an im Kontrast zwischen rechts und links. Es wurde schnell deutlich, dass sich die bürgerlichen Parteien mit Hilfe der Rechten gegen die Lin­ken vereinten. Die ersten Ver­suche der Rechten, eine Diktatur zu errichten, wurden beim Kapp-Putsch und dem der Nazis 1923 niedergeschla­gen. Außerhalb der Parlamente aber wurde ein blutiger Kampf ausgetragen, bei dem die Justiz eindeutig, oft geradezu bösartig Recht gegen die Linke sprach und die Nazis massiv schonte.

 

Der Statistiker Emil Julius Gumbel hat in seinem Buch: „Vier Jahre politischer Mord“ festgestellt: zwischen 1919 und 1922 gab es 10 Hinrichtungen wegen politisch motiviertem Mord von Linken aus 12 Fällen. (im Wesentlichen aus den Tagen der Revolution). Bei 354 Morden rechter Täter kam es zu einer lebenslangen Strafe und 90 Jahre Haft insgesamt. Gumbel wurde danach auch Fachmann zum Freikorps, den Femetätern, der Organisation „Consul“ und der Schwarzen Reichs­wehr. 1933 hatte er Glück, dass er bei der Machtübernah­me der Nazis gerade in Paris weilte und 1940 in die USA fliehen konnte.
So urteilten die Gerichte: Am 21.Februar 1919 wird der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner auf dem Weg ins Parlament von  dem Monarchisten und Antisemiten Anton Graf von Arco er­schos­sen. Dieser wurde von einem Volksgericht zunächst zum Tode, dann aber wegen seiner „völkischen Gesinnung“ zu lebens­langer Festungshaft begnadigt. Nach 6 Jahren kam er frei. Eisners Sekretär Felix Fechenbach, der Eisner begleitet und Arco niedergeschlagen hatte, wurde des Vater­landsver­rates beschuldigt, weil er ein Dokument, das schon in einer Zeitung veröffentlicht worden war, einem französischen Journalisten gab und deshalb vom Münche­ner Volksgericht zu 11 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt, die er im Zuchthaus Ebrach abbü­ßen musste. Wegen weltweiter Proteste auch von namhaften Journalisten und Politikern wurde er Weihnach­ten 1924 zugleich mit Hitler, der für seinen Putschversuch auch nur Festungshaft (entsprach dem Hausarrest) bekommen hatte, freigelassen.

 

Es half den Nazis aber nicht nur die Justiz, die einseitig Recht sprach. Die Weltwirtschaftskrise gab, weil die Politik keine Lösungen bot, den Nazis die Chance, die Industrie für ihre Ziele zu interes­sieren. In geheimen Verhandlungen und Treffen wurde über Aufrüstung und Expansion gesprochen. Bei den Wahlen 1932 beka­men die Nazis als stärkste Partei 33,1% der Stimmen und am 30.1.1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die Nazis nutzten die Stunde. Mit Notverord­nun­gen bereiteten sie die Machtübernahme vor. Hindenburg gab am 28. Februar Hitler zunächst mit seiner „Vorord­nung zum Schutz von Volk und Staat“ freie Hand gegen seine  Gegner und das Parlament half  ihm am 24.März mit dem „Ermächtigungsgesetz“ über  die letzte Hürde zur Diktatur. Die Wahlen vom 5.3.33 hatten, obwohl er seine schärfsten Gegner schon hinter Gitter oder mundtot gemacht hatte, Hitler noch lange nicht die Mehrheit im Reichstag gegeben. Für die endgültige Annahme des Gesetzes waren die Stimmen des Zentrums maßgebend.

 

So lief das damals. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Etwa 80 Millionen Menschen gingen zugrun­de. Millionen verloren ihre Heimat, noch viel mehr all ihr Hab und Gut. Die Sieger haben das ge­samte deutsche Volk dafür bestraft und in Regress genommen. Es gab eine fadenscheinige Entnazi­fizierung, die nur ein paar kleine Leute zur Kasse bat oder in ein Arbeitslager steckte. Einige Kriegsverbrecher kamen an den Galgen. Das war schnell vergessen. In Regierung, Verwaltung, Justiz und Wirtschaft gab es nur wenige, die nicht in der Partei oder eine ihrer tragenden Organisati­onen als Mitglied oder Amtsträger tätig war. Die brauchte man schließlich und es wurden alle ver­fügbaren Augen zugedrückt, wenn es um die Neueinstellung von Mitarbeitern ging. Das „Gesetz  zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personen“ vom 11.5.1951 beendete die „Leidenszeit“ der betroffenen Nazis, das war zugleich das Ende der Entnazifizie­rung.
Die Opfer des NS-Regimes hatten nun nichts mehr zu lachen. In den Gerichten und Amtsstuben, wo über die Belange, Entschädigungen, Hilfen und Wiedergutmachung gesprochen, gestritten und ent­schieden wurde, hatten Juden, Verfolgte des Naziregimes, KZ-Häftlinge, Angehörige und Hinter­bliebene von Naziopfern stets schlechte Karten. Das ist tausendfach belegt.
Drei Schicksale von Tausenden:
In Würzburg kämpft Vitus Heller gegen Korruption und Schiebereien. Er, der 1919 mit seiner Zei­tung „Das Neue Volk“ und der ersten Christlich-Soziale Partei“ einen verbindenden Weg zwischen Kommunismus und Christen­tum suchte, war deshalb von 1933 -1945 mehrmals verhaftet worden. Um nicht noch einmal nach Dachau zu kommen schrieb er einen damals üblichen Stillhaltebrief. Im Mai 1945 hat er sich sofort wieder auf den Weg gemacht, die Lehren aus den 12 Jahren Nazidikta­tur zu ziehen. Er wurde  nach 3 Jahren aufopfernder politischer Arbeit, u.a. als Flüchtlingskommis­sar und Parteiredner der CSU, unfair beschuldigt, bloßgestellt  und niedergemacht. Ausgegrenzt und vereinsamt starb er im Oktober 1956 in Würzburg in seinem Gartenhaus am Johanniweg.
Philipp Auerbach prägte nach 1945 die Wiedergutmachung in seinem Sinn. Ihm ging es vor allem darum, den Opfern zu helfen, dabei ging er ziemlich eigenwillig und pragmatisch vor. Rück­erstat­tung, Entschädigung, Sühne und Gedenken versuchte er zu verbinden. Er kämpfte Tag und Nacht zugleich in vielen Ämtern und Organisationen, wurde schließlich Präsident des Landesentschädi­gungsamtes. Die Gegner wussten ihn wegen Bagatellen  zu Fall zu bringen. Er wurde entlassen, beschuldigt und verhaftet. Der Prozess war ein Lehrstück des Nachkriegsantisemi­tismus in Bayern, man sprach von einem neuen Fall „Dreyfus“. Von seiner Unschuld überzeugt beging er 2 Tage nach dem Urteil Selbstmord.

 

Elmar Herterich hat in Würzburg versucht, die überall in Ämtern, Gerichten und Parteien sich mun­ter tummeln­den Nazigrüßen zu benennen und bloßzustellen. Er hat nicht damit gerechnet, gegen eine Phalanx von Juristen kämpfen zu müssen. Er entlarvte den Präsidenten des Verwaltungsge­richts, der Todesurteile unterschrieben hat, den Generalstaatsanwalt, der in einem NS-Sondergericht geurteilt hat und den Landgerichtsdirektor, der beim Volksgerichtshof Hinrichtungen leitete. Auch über die Doktorarbeit von OB Zimmerer hat er informiert. Damals in den 60er Jahren hatte er keine Chance. Er wurde mit Prozessen gejagt, seine Wohnung angegriffen. Er emigrierte entnervt 1956 nach Schweden

 

Er gab dann die Konfrontation zwischen Ost und West. Alle links von der Mitte wurden zu Volks­feinden ge­stempelt. Leute, die bei Hitlers und seiner SS gelernt hatten, konnten das alte Vokabular von damals wieder verwenden. Spitzenpolitiker der SPD, wie Brandt, Wehner, Schumacher wurden zu Feindbildern. Die Wieder­bewaffnung wurde zum Thema. Massenhaft tauchten Landser-Hefte auf. Ex-SS-Leute prahlten: „Ich war dabei.“ Auf den Wiesen an der Talavera übte eine Gruppe von SS-Leuten den Nahkampf. In Politik und Verwaltung wurde ausgesiebt. Der Lokführer, der Mit­glied der KPD gewesen war, verlor Beamtenstatus und Arbeitsplatz. Die junge Lehrerin, die Mit­glied der Jusos war, musste gehen. 1946/47 hatte die Militärregierung noch die CSU zeitweise verboten, weil zu viele Nazis dabei waren, jetzt waren sie in mehreren Parteien und schon bald zeigt auch die NPD stolz ihr Emblem auf einem Haus neben der Alten Mainbrücke. Ich habe diese Zeit erlebt und erlitten: Von höchsten amtierenden Politikern wurden wir Ungeziefer, Bolschewisten und Staatsfeinde genannt, weil wir  mit Ostermarsch gegen Remilitarisierung und mit Atomkraft-nein-danke vor der falschen Richtung warnten. Weil ich bei Diskussionen am Arbeitsplatz und am Stammtisch oft allein mit meiner Meinung zu den Juden stand, hat mich einer der Kollegen gefragt: „Ganz im Vertrauen – bist Du ein Jude?“ Auch wenn es um eine Aussage zu Sozialismus, DDR oder Osteuropa ging, hatte ich oft niemand, der mich verstand oder es wenigstens versuchte.

 

In den 80er Jahren begann sich mit und nach Willy Brandt erstmals eine Chance zu zeigen, dass mit der Aus­einandersetzung mit unserer NS-Vergangenheit begonnen werden könnte, da wurde er kalt­gestellt, es gab Nachrü­stungsbeschluss und Helmut Schmidt und mit Kohl dann auch noch die Wie­dervereinigung. Damit war für die nächsten 15 Jahre das Thema NS von Tisch und die noch nicht offen auftretenden Rechten konnten sich beruhigt zurücklehnen, denn jetzt ging es ja offiziell gegen alles, was links von Strauß war.
Zur DDR und StaSi wurde ordentlich aufgearbeitet und das wird auch noch in den nächsten Jahren weiter betrieben, zum Popanz gegen links aufgemotzt. Und wenn die Nazis oder ihre Helfershelfer gegen Ausländer oder Flüchtlinge vorgehen, dann heißt es in der Presse: Es muss endlich was gegen die Rechts- und Linksra­dikalen geschehen. Wenn sich Linke, auch bei ihnen gibt es Radikale, bei Naziaufmärschen mit Sitzblockaden bemerkbar machen, wird nur von diesen geschrieben und nur diese verurteilt. Auch hier gibt es eine Statistik wie bei Gumbel, die deutlich ist, wenn man die  Gewichte der Vergehen gegeneinander stellt: Mord  gegen Widerstand oder Sachbeschädigung. 
Besonders schäbig ist die Vermischung von Linksradikalen und der Partei „Die Linke“, die weder hinter den Aktionen dieser Leute steht, noch sie gut heißt. Genau so wenig kann man die CDU/CSU noch die FDP wegen ihrer rechten Flügel unter Generalverdacht stellen.

 

Es gibt für mich keinen Zweifel, der Versuch in Thüringen hat es deutlich gezeigt, es gibt in den Kreisen von CDU und FDP Leute, die es wieder versuchen werden. Zum Beispiel die von der „Werte-Union“, die Völki­schen und natürlich die in Militär, Staatsicherheit und Justiz noch schlummernden Ressourcen. Sie werden es wieder versuchen, denn sie haben auch heute noch viele Anhänger, (in einem Brief an den OB in den 80ern habe ich ihr Potential auf 15+% geschätzt). Weil 1947 bis 1950 die Nazis zurückgekehrt sind auf ihre Posten in Politik, Verwaltung, Justiz, Militär, Schule und Lehre, deshalb wurde nicht aufgearbeitet und reagiert. Und dass diese Ex-Nazis damals plötzlich ihre Gesinnung abgestreift haben, das kann, das musste niemand erwarten. Und so wurde vielleicht nicht der pure Faschismus weiter getragen, zum mindesten nicht bekämpft und nur die Opfer des NS-Regimes hatten die Folgen zu tragen. In Ausbildung und Lehre wurde die NS-Propa­ganda aus­gelöscht, aber nicht darüber aufgeklärt was der Nationalsozialismus wirklich war. Die meisten der Lehrer und Ausbilder, der Geschichtsschreiber und Autoren hätten ihre eigene Vergan­genheit verleugnen müssen. Nicht dran rühren hieß das. Bis heute.

 

Vor mir liegt ein Rotbraunes Buch, das 1946 im Verlag Karl Alber in München verlegt wurde mit dem Titel „Der SS-Staat“- Das System der deutschen Konzentrationslager  von Eugen Kogon.  Er war Publizist, Sozio­loge und Politikwissenschaftler, Katholik, Sohn einer jüdischen Ärztin die zwei Jahre nach seiner Geburt starb. Ein schonungsloses Buch, das jeder, der sich für unsere Vergangen­heit interessiert, gelesen haben sollte. Für Lehrer und Ausbilder müsste es Pflichtlektüre sein.  Dann könnten wir in der nächsten Generation sicher sein vor Faschismus, Nationalismus, Fremdenfeind­lichkeit und Antisemitismus. Und dann wäre auch eine Gleich­stellung von Rechts- und Linksradi­kalen und schon gar nicht mit der Linken mehr möglich.

Nicht vergessen:

15.März : 3 Stimmen für Helmut Försch Liuste 10 Die Linke Platz 8

 

   WIR ERINNERN : Ein Bauernbub wollte die Welt verändern:       

           "VITUS HELLER"

Wir haben schon viele ehemalige Bürger unserer Stadt auf Gedenktafeln,Stelen, Stolpersteinen, und Straßennamen in die Erinnerung zurück gerufen.  Andere sind durch eigene Beiträge selbst oder für andere wieder präsent geworden.  So ist Felix Fechenbach durch sein, von Roland Flade wieder entdecktes und mit Biographie ergänzte Buch: "Der Puppenspieler" und den von Helmut Försch zusammen gerufenen Felix-Fechernbach-Kreis  mit dem Felix-Fechenbach-Haus wieder in aller Munde.

Vitur Heller, der Junge aus Tauberrettersheim,  hat, aus tief-christlicher Familie, und Erziehung, gelebter sozialer Verantwortung, aus Selbststudium und den Lehren des ersten Weltkriegs die Idee des Christlichen Sozialismus in den Worten und dem Leben Christii, der Päpste Leo XIII. und Pius XI., und der Christlichen Soziallehre gefunden und alles getan, sie auch zu verwirklichen.

Als Sekretär des Volksvereins für das katholosche Deutschland gründete er 1918 die Zeitung: "Das Neue Volk", schrieb ein 30-seitiges Programm "Der Christliche Sozialismus", wurde 1920 Vorsitzender der unter seinem Einfluss gegründeten ersten "Christlich-Soziale Partei" - später "Christlich-Soziale Reichspartei" (CSRP).

Dabei wandelte er aus den Spuren von Thomas v. Aquin, Augustinus, Wilhelm Hohoff, Wilhelm v. Ketteler, Adolf Kolping, aber auch Karl Marx.  Er wurde zunächst unterstützt von Liborius Gerstenberger, Mathias Erzberger und dem linken Zentrum.  Nach dem rechtsruck fast aller Parteien kämpfte er gegen Ausbeutung, Korruption, Miilitarismus Faschismus und Kapitalismus.

Im NS-Staat wurde er wiederholt verhaftet,  warv einhalbes jahr in dachau inhaftiert, fristete sein Leben 1933 - 1945 in ärmlichsten verhältnissen. 1945 gründete er mit Adam Stegerwald  die CSU, half beim Wiedraufbau, auch als Flüchtlingskommissar - wurde dann aber ausgegrenzt, verleumdet und vergessen.

Das möchte das Buch "Vitus Heller - vergessener Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit" ändern.

Das Buch ist im Echter-Verlag, Würzburg, 2017 als Broschur erschienen und zeichnet  auf 216 Seiten das Leben von Vitus Heller und seiner Idee und seinen Aufzeichnungen nach, kommentiert von Helmut Försch.

Die "Entwicklung schlummernder Kräfte"  Grafik von Helmut  1989 -7