Ein neues Buch: Vitus Heller

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                                       Thüringen-Wahl

        2020 - Thüringen – erster Probelauf zur Macht.

                                                Helmut Försch resümmiert

In Thüringen hat sich ein machtgeiler Noname mit Hilfe von CDU und AfD zur Ministerpräsiden­ten küren lassen. Er wurde unter massivem Druck zu Rücktritt gezwungen, denn es hat sich gezeigt, dass die Zeit noch nicht reif ist. Wer unsere Geschichte kennt, weiß, dass nur wenige daraus zu ler­nen bereit sind. Und wer die neben und hinter den Aktionen zu hörenden Verlautbarungen richtig deutet, der muss nicht nur besorgt sein – das ist viel zu wenig; er muss mit allen vertretbaren Mit­teln und Aktionen gemeinsam  der rechten Gefahr entgegnen.
Das lehrt uns die Geschichte: Nach dem ersten Weltkrieg fand eine unblutige Revolution statt, die getragen war von den linken Parteien und Gruppierungen. Gesetze und Verordnungen aus dieser Zeit brachten für die kleinen Leute auf Dauer viel Gutes. Erst nach Eisners Ermordung änderte sich das.  Die Republik von Weimar stand dann von Anfang an im Kontrast zwischen rechts und links. Es wurde schnell deutlich, dass sich die bürgerlichen Parteien mit Hilfe der Rechten gegen die Lin­ken vereinten. Die ersten Ver­suche der Rechten, eine Diktatur zu errichten, wurden beim Kapp-Putsch und dem der Nazis 1923 niedergeschla­gen. Außerhalb der Parlamente aber wurde ein blutiger Kampf ausgetragen, bei dem die Justiz eindeutig, oft geradezu bösartig Recht gegen die Linke sprach und die Nazis massiv schonte.

Der Statistiker Emil Julius Gumbel hat in seinem Buch: „Vier Jahre politischer Mord“ festgestellt: zwischen 1919 und 1922 gab es 10 Hinrichtungen wegen politisch motiviertem Mord von Linken aus 12 Fällen. (im Wesentlichen aus den Tagen der Revolution). Bei 354 Morden rechter Täter kam es zu einer lebenslangen Strafe und 90 Jahre Haft insgesamt. Gumbel wurde danach auch Fachmann zum Freikorps, den Femetätern, der Organisation „Consul“ und der Schwarzen Reichs­wehr. 1933 hatte er Glück, dass er bei der Machtübernah­me der Nazis gerade in Paris weilte und 1940 in die USA fliehen konnte.
So urteilten die Gerichte: Am 21.Februar 1919 wird der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner auf dem Weg ins Parlament von  dem Monarchisten und Antisemiten Anton Graf von Arco er­schos­sen. Dieser wurde von einem Volksgericht zunächst zum Tode, dann aber wegen seiner „völkischen Gesinnung“ zu lebens­langer Festungshaft begnadigt. Nach 6 Jahren kam er frei. Eisners Sekretär Felix Fechenbach, der Eisner begleitet und Arco niedergeschlagen hatte, wurde des Vater­landsver­rates beschuldigt, weil er ein Dokument, das schon in einer Zeitung veröffentlicht worden war, einem französischen Journalisten gab und deshalb vom Münche­ner Volksgericht zu 11 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt, die er im Zuchthaus Ebrach abbü­ßen musste. Wegen weltweiter Proteste auch von namhaften Journalisten und Politikern wurde er Weihnach­ten 1924 zugleich mit Hitler, der für seinen Putschversuch auch nur Festungshaft (entsprach dem Hausarrest) bekommen hatte, freigelassen.

Es half den Nazis aber nicht nur die Justiz, die einseitig Recht sprach. Die Weltwirtschaftskrise gab, weil die Politik keine Lösungen bot, den Nazis die Chance, die Industrie für ihre Ziele zu interes­sieren. In geheimen Verhandlungen und Treffen wurde über Aufrüstung und Expansion gesprochen. Bei den Wahlen 1932 beka­men die Nazis als stärkste Partei 33,1% der Stimmen und am 30.1.1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die Nazis nutzten die Stunde. Mit Notverord­nun­gen bereiteten sie die Machtübernahme vor. Hindenburg gab am 28. Februar Hitler zunächst mit seiner „Vorord­nung zum Schutz von Volk und Staat“ freie Hand gegen seine  Gegner und das Parlament half  ihm am 24.März mit dem „Ermächtigungsgesetz“ über  die letzte Hürde zur Diktatur. Die Wahlen vom 5.3.33 hatten, obwohl er seine schärfsten Gegner schon hinter Gitter oder mundtot gemacht hatte, Hitler noch lange nicht die Mehrheit im Reichstag gegeben. Für die endgültige Annahme des Gesetzes waren die Stimmen des Zentrums maßgebend.

So lief das damals. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Etwa 80 Millionen Menschen gingen zugrun­de. Millionen verloren ihre Heimat, noch viel mehr all ihr Hab und Gut. Die Sieger haben das ge­samte deutsche Volk dafür bestraft und in Regress genommen. Es gab eine fadenscheinige Entnazi­fizierung, die nur ein paar kleine Leute zur Kasse bat oder in ein Arbeitslager steckte. Einige Kriegsverbrecher kamen an den Galgen. Das war schnell vergessen. In Regierung, Verwaltung, Justiz und Wirtschaft gab es nur wenige, die nicht in der Partei oder eine ihrer tragenden Organisati­onen als Mitglied oder Amtsträger tätig war. Die brauchte man schließlich und es wurden alle ver­fügbaren Augen zugedrückt, wenn es um die Neueinstellung von Mitarbeitern ging. Das „Gesetz  zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personen“ vom 11.5.1951 beendete die „Leidenszeit“ der betroffenen Nazis, das war zugleich das Ende der Entnazifizie­rung.
Die Opfer des NS-Regimes hatten nun nichts mehr zu lachen. In den Gerichten und Amtsstuben, wo über die Belange, Entschädigungen, Hilfen und Wiedergutmachung gesprochen, gestritten und ent­schieden wurde, hatten Juden, Verfolgte des Naziregimes, KZ-Häftlinge, Angehörige und Hinter­bliebene von Naziopfern stets schlechte Karten. Das ist tausendfach belegt.
Drei Schicksale von Tausenden:
In Würzburg kämpft Vitus Heller gegen Korruption und Schiebereien. Er, der 1919 mit seiner Zei­tung „Das Neue Volk“ und der ersten Christlich-Soziale Partei“ einen verbindenden Weg zwischen Kommunismus und Christen­tum suchte, war deshalb von 1933 -1945 mehrmals verhaftet worden. Um nicht noch einmal nach Dachau zu kommen schrieb er einen damals üblichen Stillhaltebrief. Im Mai 1945 hat er sich sofort wieder auf den Weg gemacht, die Lehren aus den 12 Jahren Nazidikta­tur zu ziehen. Er wurde  nach 3 Jahren aufopfernder politischer Arbeit, u.a. als Flüchtlingskommis­sar und Parteiredner der CSU, unfair beschuldigt, bloßgestellt  und niedergemacht. Ausgegrenzt und vereinsamt starb er im Oktober 1956 in Würzburg in seinem Gartenhaus am Johanniweg.
Philipp Auerbach prägte nach 1945 die Wiedergutmachung in seinem Sinn. Ihm ging es vor allem darum, den Opfern zu helfen, dabei ging er ziemlich eigenwillig und pragmatisch vor. Rück­erstat­tung, Entschädigung, Sühne und Gedenken versuchte er zu verbinden. Er kämpfte Tag und Nacht zugleich in vielen Ämtern und Organisationen, wurde schließlich Präsident des Landesentschädi­gungsamtes. Die Gegner wussten ihn wegen Bagatellen  zu Fall zu bringen. Er wurde entlassen, beschuldigt und verhaftet. Der Prozess war ein Lehrstück des Nachkriegsantisemi­tismus in Bayern, man sprach von einem neuen Fall „Dreyfus“. Von seiner Unschuld überzeugt beging er 2 Tage nach dem Urteil Selbstmord.

Elmar Herterich hat in Würzburg versucht, die überall in Ämtern, Gerichten und Parteien sich mun­ter tummeln­den Nazigrüßen zu benennen und bloßzustellen. Er hat nicht damit gerechnet, gegen eine Phalanx von Juristen kämpfen zu müssen. Er entlarvte den Präsidenten des Verwaltungsge­richts, der Todesurteile unterschrieben hat, den Generalstaatsanwalt, der in einem NS-Sondergericht geurteilt hat und den Landgerichtsdirektor, der beim Volksgerichtshof Hinrichtungen leitete. Auch über die Doktorarbeit von OB Zimmerer hat er informiert. Damals in den 60er Jahren hatte er keine Chance. Er wurde mit Prozessen gejagt, seine Wohnung angegriffen. Er emigrierte entnervt 1956 nach Schweden.

Er gab dann die Konfrontation zwischen Ost und West. Alle links von der Mitte wurden zu Volks­feinden ge­stempelt. Leute, die bei Hitlers und seiner SS gelernt hatten, konnten das alte Vokabular von damals wieder verwenden. Spitzenpolitiker der SPD, wie Brandt, Wehner, Schumacher wurden zu Feindbildern. Die Wieder­bewaffnung wurde zum Thema. Massenhaft tauchten Landser-Hefte auf. Ex-SS-Leute prahlten: „Ich war dabei.“ Auf den Wiesen an der Talavera übte eine Gruppe von SS-Leuten den Nahkampf. In Politik und Verwaltung wurde ausgesiebt. Der Lokführer, der Mit­glied der KPD gewesen war, verlor Beamtenstatus und Arbeitsplatz. Die junge Lehrerin, die Mit­glied der Jusos war, musste gehen. 1946/47 hatte die Militärregierung noch die CSU zeitweise verboten, weil zu viele Nazis dabei waren, jetzt waren sie in mehreren Parteien und schon bald zeigt auch die NPD stolz ihr Emblem auf einem Haus neben der Alten Mainbrücke. Ich habe diese Zeit erlebt und erlitten: Von höchsten amtierenden Politikern wurden wir Ungeziefer, Bolschewisten und Staatsfeinde genannt, weil wir  mit Ostermarsch gegen Remilitarisierung und mit Atomkraft-nein-danke vor der falschen Richtung warnten. Weil ich bei Diskussionen am Arbeitsplatz und am Stammtisch oft allein mit meiner Meinung zu den Juden stand, hat mich einer der Kollegen gefragt: „Ganz im Vertrauen – bist Du ein Jude?“ Auch wenn es um eine Aussage zu Sozialismus, DDR oder Osteuropa ging, hatte ich oft niemand, der mich verstand oder es wenigstens versuchte.

In den 80er Jahren begann sich mit und nach Willy Brandt erstmals eine Chance zu zeigen, dass mit der Aus­einandersetzung mit unserer NS-Vergangenheit begonnen werden könnte, da wurde er kalt­gestellt, es gab Nachrü­stungsbeschluss und Helmut Schmidt und mit Kohl dann auch noch die Wie­dervereinigung. Damit war für die nächsten 15 Jahre das Thema NS von Tisch und die noch nicht offen auftretenden Rechten konnten sich beruhigt zurücklehnen, denn jetzt ging es ja offiziell gegen alles, was links von Strauß war.
Zur DDR und StaSi wurde ordentlich aufgearbeitet und das wird auch noch in den nächsten Jahren weiter betrieben, zum Popanz gegen links aufgemotzt. Und wenn die Nazis oder ihre Helfershelfer gegen Ausländer oder Flüchtlinge vorgehen, dann heißt es in der Presse: Es muss endlich was gegen die Rechts- und Linksra­dikalen geschehen. Wenn sich Linke, auch bei ihnen gibt es Radikale, bei Naziaufmärschen mit Sitzblockaden bemerkbar machen, wird nur von diesen geschrieben und nur diese verurteilt. Auch hier gibt es eine Statistik wie bei Gumbel, die deutlich ist, wenn man die  Gewichte der Vergehen gegeneinander stellt: Mord  gegen Widerstand oder Sachbeschädigung. 
Besonders schäbig ist die Vermischung von Linksradikalen und der Partei „Die Linke“, die weder hinter den Aktionen dieser Leute steht, noch sie gut heißt. Genau so wenig kann man die CDU/CSU noch die FDP wegen ihrer rechten Flügel unter Generalverdacht stellen.

Es gibt für mich keinen Zweifel, der Versuch in Thüringen hat es deutlich gezeigt, es gibt in den Kreisen von CDU und FDP Leute, die es wieder versuchen werden. Zum Beispiel die von der „Werte-Union“, die Völki­schen und natürlich die in Militär, Staatsicherheit und Justiz noch schlummernden Ressourcen. Sie werden es wieder versuchen, denn sie haben auch heute noch viele Anhänger, (in einem Brief an den OB in den 80ern habe ich ihr Potential auf 15+% geschätzt). Weil 1947 bis 1950 die Nazis zurückgekehrt sind auf ihre Posten in Politik, Verwaltung, Justiz, Militär, Schule und Lehre, deshalb wurde nicht aufgearbeitet und reagiert. Und dass diese Ex-Nazis damals plötzlich ihre Gesinnung abgestreift haben, das kann, das musste niemand erwarten. Und so wurde vielleicht nicht der pure Faschismus weiter getragen, zum mindesten nicht bekämpft und nur die Opfer des NS-Regimes hatten die Folgen zu tragen. In Ausbildung und Lehre wurde die NS-Propa­ganda aus­gelöscht, aber nicht darüber aufgeklärt was der Nationalsozialismus wirklich war. Die meisten der Lehrer und Ausbilder, der Geschichtsschreiber und Autoren hätten ihre eigene Vergan­genheit verleugnen müssen. Nicht dran rühren hieß das. Bis heute.

Vor mir liegt ein Rotbraunes Buch, das 1946 im Verlag Karl Alber in München verlegt wurde mit dem Titel „Der SS-Staat“- Das System der deutschen Konzentrationslager  von Eugen Kogon.  Er war Publizist, Sozio­loge und Politikwissenschaftler, Katholik, Sohn einer jüdischen Ärztin die zwei Jahre nach seiner Geburt starb. Ein schonungsloses Buch, das jeder, der sich für unsere Vergangen­heit interessiert, gelesen haben sollte. Für Lehrer und Ausbilder müsste es Pflichtlektüre sein.  Dann könnten wir in der nächsten Generation sicher sein vor Faschismus, Nationalismus, Fremdenfeind­lichkeit und Antisemitismus. Und dann wäre auch eine Gleich­stellung von Rechts- und Linksradi­kalen und schon gar nicht mit der Linken mehr möglich.

   WIR ERINNERN : Ein Bauernbub wollte die Welt verändern:       

           "VITUS HELLER"

Wir haben schon viele ehemalige Bürger unserer Stadt auf Gedenktafeln,Stelen, Stolpersteinen, und Straßennamen in die Erinnerung zurück gerufen.  Andere sind durch eigene Beiträge selbst oder für andere wieder präsent geworden.  So ist Felix Fechenbach durch sein, von Roland Flade wieder entdecktes und mit Biographie ergänzte Buch: "Der Puppenspieler" und den von Helmut Försch zusammen gerufenen Felix-Fechernbach-Kreis  mit dem Felix-Fechenbach-Haus wieder in aller Munde.

Vitur Heller, der Junge aus Tauberrettersheim,  hat, aus tief-christlicher Familie, und Erziehung, gelebter sozialer Verantwortung, aus Selbststudium und den Lehren des ersten Weltkriegs die Idee des Christlichen Sozialismus in den Worten und dem Leben Christii, der Päpste Leo XIII. und Pius XI., und der Christlichen Soziallehre gefunden und alles getan, sie auch zu verwirklichen.

Als Sekretär des Volksvereins für das katholosche Deutschland gründete er 1918 die Zeitung: "Das Neue Volk", schrieb ein 30-seitiges Programm "Der Christliche Sozialismus", wurde 1920 Vorsitzender der unter seinem Einfluss gegründeten ersten "Christlich-Soziale Partei" - später "Christlich-Soziale Reichspartei" (CSRP).

Dabei wandelte er aus den Spuren von Thomas v. Aquin, Augustinus, Wilhelm Hohoff, Wilhelm v. Ketteler, Adolf Kolping, aber auch Karl Marx.  Er wurde zunächst unterstützt von Liborius Gerstenberger, Mathias Erzberger und dem linken Zentrum.  Nach dem rechtsruck fast aller Parteien kämpfte er gegen Ausbeutung, Korruption, Miilitarismus Faschismus und Kapitalismus.

Im NS-Staat wurde er wiederholt verhaftet,  warv einhalbes jahr in dachau inhaftiert, fristete sein Leben 1933 - 1945 in ärmlichsten verhältnissen. 1945 gründete er mit Adam Stegerwald  die CSU, half beim Wiedraufbau, auch als Flüchtlingskommissar - wurde dann aber ausgegrenzt, verleumdet und vergessen.

Das möchte das Buch "Vitus Heller - vergessener Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit" ändern.

Das Buch ist im Echter-Verlag, Würzburg, 2017 als Broschur erschienen und zeichnet  auf 216 Seiten das Leben von Vitus Heller und seiner Idee und seinen Aufzeichnungen nach, kommentiert von Helmut Försch.

Nachtrag:

 

Leserbrief zu: „Festakt zum 100.Geburtstag der DJK FVB/MP 30.9.2020 – S. 25

 

 

Der Deutsche Katholikentag 1920

 

In der Chronik der Deutschen Katholikentage finden wir für 1920 nur den Kleinen Katholikentag in Stuttgart. Derjenige, der am 16./17.9. in Würzburg stattfand, wird nur in den Annalen der DJK, aber sonst nirgends erwähnt, obwohl- oder weil dort eine bemerkenswerte Geschichte geschrieben ward:

 

Mit der Gründung der Bayerischen Volkspartei (BVP) am 12.11.1918 hatten sich die bayerischen Katholiken vom Zentrum getrennt, das unter Dr. Georg Heim separatistische Ziele verfolgte (Los von Preu­ßen). Viele Politiker und Gewerkschafter wollten diesen Weg nicht mitgehen. Vor allem aber Mitbegründer des Friedensbundes der Deutschen Katholiken, der am 9.10.1919 in München gegründet worden war, und  Zentrumspolitiker regten zusammen mit dem „Volksverein für die Deutschen Katholiken“, deren Sekretär Vitus Heller war, einen Kleinen Deutschen Katholikentag an, der am 16./17.9.1920 in Würzburg stattfand und auf dem der Würzburger OB Andreas Grieser das Referat zur sozialen Frage hielt. Auf der Rednerliste standen Adam Stegerwald, Matthias Erz­berger, Wilhelm Marx und die Spitze der Volksvereinszentrale in Mönchengladbach. Am 7.9.1920 war in Treuchtlingen von Christlichen Gewerkschaftern die Christlich-Soziale Partei (CSP) gegrün­det worden. Nachdem beim BVP-Parteitag am 18.9.1920 Hellers Programm des „Christlichen Sozia­­lismus“ abgelehnt worden war, trat Heller aus der BVP aus, wurde Mitglied der „CSP-Baye­risches Zentrum“, übernahm die Führung, das Presseorgan „Das Neue Volk“ und die Geschäftsfüh­rung. Ein harter Kampf wie gegen Windflügel begann.

 

 

Zum Thema: Helmut Försch: Vitus Heller- Vergessener Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit
                      Echter - 2017

 

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Die "Entwicklung schlummernder Kräfte"  Grafik von Helmut  1989 -7

Belegtes Brötchen – schwer verdaulich. MP-VB –19.Juli 09 - S.11

Belegtes Brötchen – schwer verdaulich. MP-VB –19.Juli 09 - S.11 
und: Der Schattenmann – MP-VB S. 17

Edeka machts möglich – zusammen mit den Abfindungen bei der Nordbank und den 100 Millio-
nen Abfindung für W.Wiedeking so ein wichtiges, richtiges und bezeichnendes Bild vom Zustand 
unserer Gesellschaft zu zeichnen. Allen Beteuerungen und Versprechen zum Trotz geht alles 
weiter wie bisher. Aber wenn einer, Schwächeanfall hin oder einfach nur Hunger her, sich ein 
Brötchen richtet und das später bezahlen will, dann ist es ein Willkürakt ohne Beispiel, ihn 
deswegen so brutal und nachhaltig zu bestrafen. Wenn Angestellte im Einzelhandel nur selten 
nach Schluss der Arbeitszeit pünktlich ihren Platz verlassen können, dann kommt niemand 
gelaufen und zwingt sie dazu, für die Minuten –oder Stunden – die sich im Laufe der Zeit 
summieren, eine Prämie entgegen zu nehmen. Das wird einfach von ihnen erwartet. Von den 
kleinen Leuten wird eben erwartet, dass sie Leistung bringen bis sie umfallen, dass sie sich nicht 
wehren, dass sie zu Kreuze kriechen, dass sie zuschauen wie sich die da oben die Taschen voll 
stopfen und wenn sie versagen oder Mist gebaut haben, noch mit Millionen zugeschüttet werden.
Und wir Bürger sollen bei denen einkaufen ? Ich nicht!

„Und geht’s doch noch gold.“ von Elisabeth Niejahr

„DIE ZEIT“, Nr. 22 S. 3 : „Und geht’s doch noch gold.“ von Elisabeth Niejahr

 

Elisabeth Niejahr bringt’s auf den Punkt. Und ihre Fragen treffen voll ins Schwarze. 
Uns Rentnern geht’s immer noch gold, wenn man zu denen gehört welche die Durchschnittsrente 
bekommen, auch wenn unsere Kaufkraft seit der Wende halbiert wurde. Aber es gibt auch die, 
die drunter liegen und es gibt vor allem unsere Kinder und Enkel, auf deren Kosten aber 
nicht wir
leben. Wir haben unseren Generationenvertrag erfüllt und viel darüber hinaus.
Es gibt eine ganze Kaste, die auf unserer und der künftigen Generationen Arbeit und Verdienst 
lebt wie die Made im Speck und Vermögen angehäuft hat, das nicht mehr moralisch/menschlich 
legitimiert werden kann. Mögen sie sich im Golde suhlen. Sie kümmerten mich einen Dreck, 
wenn ich mich nicht um meine Kinder und Enkel sorgte, denen diese Clique die Zukunft versaut, 
von der jeder vernünftige Mensch weiß, wie man sie und die Probleme in den Griff bekommen 
kann. Wir Alten wissen, was wir von solchen dummen Sprüchen wie diesem Rentengesetz halten 
müssen, das den Rentenbetrug schon paraphiert. Wir wissen, dass wir ausgenutzt und benutzt 
wurden. Wir mussten nach 1945 den Stall ausmisten, unsere paar Kröten gingen den Bach 
hinunter, wir haben aufgebaut, wir haben die Wie­dervereini­gung nicht nur gewollt, sondern 
auch bezahlt und jetzt schwimmt auf der „Wester­welle“ dahin, was einst unser Stolz war: unser 
Staat, der die Solidarität, die soziale Marktwirtschaft, die Humanität und die Gerechtigkeit 
verkörpern sollte. Ich pfeife auf eure Rentenerhöhungen, die daherkommen wie Almosen und 
propagiert werden wie Wohltaten, die dann auch noch als Argu­mente herhalten sollen, dass wir
schuld sind an der Misere. Ausgerechnet die, die sich den Kragen vollgestopft haben, wollen uns
einreden, wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt. Aber das hängt ihr uns nicht an, ihr Merkel, 
Müntefering &Co, das habt ihr uns eingebrockt und wir löffeln’s halt aus., weil wir zu alt sind zur 
Rebellion und gegen diesen Brutalkapitalismus nicht mehr kämpfen können. Oder doch??

"Fast wie früher" ?   "Es ist wie früher" zu:  Die Zeit.Nr.20- 7.5.09 S.21 :
abgedruckt in "Die Zeit"   Nr. 22  S.44   am 20.5.09

Uwe Jean Heuser schreibt  "Fast wie früher" über Ackermann  & Co. Und er listet auch auf, was
alles aus den schönen Beteuerungen und Vorsätzen geworden ist. Na gut. Und er weiß auch, was 
alles getan oder unterlassen werden sollte und hat den schwindelerregenden Mut, so etwas wie 
Hoffnung zu verbreiten, dass sich was ändern würde.

Ich sage: Es wird nichts reguliert  Die Hasardeure sitzen alle schon wieder im Sattel.  Die Sprit- 
preise sind schon wieder hochspekuliert.  Banker und Investoren arbeiten weiter mit minimalen 
Eigenkapital und erwirtschaften hohe Renditen.  Der Kreditnehmer wird wegen der hohen 
Besteuerung des Eigenkapitals gezwungen, seine Gewinne z.B. auf den unzähligen Filialen der 
Deutschen Bank in Luxemburg,  Mauritius oder Lichtenstein etc zu parken, wenn er der 
Besteuerung entgehen will und das ist schließlich ja legal.  Selbst so einfach zu ändernde und 
sehr effektive Vorgaben für die Finanzwirtschaft wie es eine Veränderung der Besteuerung von 
Eigen- und Fremdkapital darstellt, wird nicht einmal diskutiert.  In einer Reihe von anderen 
Ländern geschieht etwas.  Bei uns herrscht Totenstille, nur Hinz und Kunz bevölkert die Talk- 
shows und sondert ab und in den Provinzblättchen beschäftigt man sich lieber mit Superstar 
und Topmodel. 
Ist es nun ein Wunder, dass unvorstellbare Summen in den Bankenorkus geschmissen werden?  
Wohin verschwindet denn das ganze Geld? Wer sind denn die Leute, die als Berater und 
Fachleute das Handeln von Finanzen und Wirtschaft beeinflussen, leiten und bestimmen.  Sind 
das nicht dieselben, um deren Aktien, Einnahmen und Provisionen es geht?   Na also.  
Die schauen schon, dass ihr Schäfchen trocken bleibt. Und Frau Merkel als Oberhaupt übt 
sich in der Mentalität, die sie von ihrem Ziehvater nicht nur erlernt, sondern kopiert hat, dem 
Aussitzen aller Probleme und dem Absondern stereotyper Sprüche
. Das System wird nicht 
in Frage gestellt.
Was kann da anderes herauskommen als so unwirksame , wenn für die Wirtschaft nicht sogar 
schädliche Publikumsrenner wie die "Abwrack-prämie", die vordergründig wie ein Erfolg aussieht, 
weil die Autoindustrie ihre Ladenhüter los wird.  Die potentiellen Käufer von ökonomisch und 
ökologisch fortschrittlichen Modellen fallen als Käufer vorerst aus.
Übrigens, für Bildung wollte 
man doch auch was tun und für Integration und für Familien.  Und den Rentnern gibt man eine 
Garantie.  Geht ganz leicht, weil man das wie in der Vergangenheit leicht mit Mehrwertsteuer, 
neuen Abgaben und Steueranteil-Erhöhung kompensieren kann.  Also doch alles "Fast wie 
früher." Besser:  Alles wie früher.
Kursiv: Nicht veröffentlicht

Zug der Erinnerung

„Zug der Erinnerung“ 14. + 15. Mai auf Gleis 8 im Hbf. Würzburg

Gegen das Getöse der laufenden Motoren eines auf Gleis 10 abgestellten, leeren Zuges mussten 
die Musizierenden und der Chor der David Schuster-Schule sich ebenso durchsetzen, wie 
anschließend unser OB Georg Rosenthal. Angesichts dessen, was andernorts ablief, kann mir 
niemand weisma­chen, dass dieser Lärm ein Zufall war. Im Internet kann man nachlesen, was
andernorts ablief:
Die DB lehnt eine Spende für den Zug der Erinnerung ab. Sie verlangt Standgebühr von 45 € 
pro Stunde, stellt die Ausstellung auf Abstellgleise, behindert massiv durch technische 
Kontrollen durch bewaffnete Sicherheitskräfte, erlässt Redeverbot für die Mitarbeiter, untersagt 
Berichterstattung.
Wer zieht die Fäden bei der „Deutschen Bahn“ ? Wer sind diese Leute, die den „Zug der Erinne­
rung“ behindern ? Es ist doch ziemlich unwahrscheinlich, dass das deshalb geschieht, weil man 
persönliche Schuld nicht eingestehen will. Selbst Kriegsverbrecher haben sich zu ihrer Verant­
wortung bekannt. Die Deutsche Reichsbahn hat gut verdient mit ihren Transporten in die Vernich­
tungs­lager. Selbst das Wegschauen hat uns, die „kleinen Laute“, in die Verantwortung genommen.
Wie viel schwerer hätten eigentlich die zu tragen, die sich an dem Unglück von Millionen von 
Menschen, von Familien mit Kindern bereichert haben. Und deren Rechtsnachfolger stehlen sich 
nicht nur aus der Verantwortung, sondern behindern auch noch rigoros das Gedenken an ihre 
Opfer. Ich sage ausdrücklich ihre Opfer, denn ohne ihre Mithilfe wäre das nicht geschehen.  
Jeder Würzburger, der sich ein Ticket bei der Deutschen Bahn kauft, sollte immer daran denken, 
dass dort draußen, an der Rampe der Aumühle die Fracht nach Auschwitz, Sobibor,
Izbica, und Rige verladen wurde. Das waren unsere Mitbürger, sie waren unschuldig und ein 
großer Teil davon waren Kinder. Man muss sich das nur vorstellen, auch ganz kleine unschuldige 
Kinder, die noch nicht einmal sprechen konnten. Wer denkt da nicht an seine eigenen Kinder und 
Enkel. Und stellt dagegen die eiskalten Rechner, die das Signum „Deutsche“ Bahn in den Dreck 
ziehen.
Was mich zum Nachdenken reizt : Es gibt offenbar niemand in Bundes- und Landesregierungen 
der sich da in irgend einer Weise positiv engagiert. Also gut, ihr müsst ja eure Banken retten.
Den neuen Bahnchef Rüdiger Grube aber, der offenbar bereit ist, den Stall auszumisten, möchte 
ich sehr herzlich bitten, auch auf diesem Gebiete endlich das Notwendige zu tun.